Wir sind Frauen, die mit Respekt zu behandeln sind

Berlin, Watergate, Samstag, 2:30 Uhr:
Zwei englisch sprechende Touristen (einer aus den USA, Verlauf des Textes wird deutlich, wieso ich das hier hinzu füge) quatschten uns (eine Gruppe von fünf Frauen) in der Schlange an, ob wir ihnen nicht helfen können, in den Club zu kommen. Von vorn herein sagten wir klar und deutlich “Nein”. Die Männer blieben in der Nähe, unterhielten sich mit uns (anfangs auf freundlicher Ebene, später sehr aufdringlich), betonten wie wunderschön wir seien und wie nett dazu. Die Überredungsversuche liessen nicht nach, doch wir blieben bei einem “Sorry, aber nein”.
Als die beiden Männer vor uns in der Schlange dem Eintritt ins Watergate verwiesen wurden, drehte sich der US-amerikanische Mann zu mir um und beschimpfte mich (Deutsch-US-Amerikanerin) auf’s Übelste. Ich sei wertlos, keine echte Amerikanerin, mein Vater würde sich für mich schämen, ich bräuchte niemals nach San-Francisco (sein Wohnort) kommen, ich solle mich ficken usw. Vom Türsteher wurde er dann aufgefordert zu gehen, während wir verstört und schockiert den Club betraten.
Im Club war die Musik vom Feinsten, doch der von Testosteron überlaufene Club prägte den Abend mit blöden Anmachen, Blicken und Grabschen. Freundinnen waren schockiert über das notgeile Verhalten vieler Männer vor Ort. Ein anderer Typ spricht mich an, wir unterhalten uns nett. Er versucht mich zu küssen, ich will nicht. “Warum? Komm schon.” lautet die Frage. “Weil ich nicht will” meine Antwort.
Morgens endlich draußen, über die frische Luft freuend, wurden wir von dem sexistischen Verhalten der Nacht nicht verschont. Zwei junge Männer, augenscheinlich betrunken, kommen uns auf der Oberbaumbrücke entgegen. Eine von uns wird am Arm gepackt. Der Typ sieht es als Einladung, ein Stück mit uns zu gehen. Ich rufe ihm zu, er solle sie loslassen und abhauen. Dann geht er auf mich zu und haut mir auf den Arsch. Ich rufe “Ey was soll das! Hör auf mit der Scheisse”. Keine Reaktion, der Typ geht weiter. In dem Augenblick drehe ich mich um, als sein Kumpel mit ausgebreiteten Armen auf mich zuläuft und einen Ausdruck von Mitleid im Gesicht trägt. Er will mich umarmen. Von wegen ich arme Verbissene solle mich doch freuen, dass mein Hinterteil Beachtung findet. Bevor seine Arme mich umschlingen, stoße ich ihn weg und sage auch ihm er solle mich nicht anfassen. Die Typen gehen weiter. Keine Einsicht über ihr Verhalten.

Mit meinen Freundinnen hatte ich eine tolle Nacht, wir haben viel getanzt und gefeiert, doch wird sie von dieser sexistischen Scheisse überschattet. Ich bin als Frau niemandem eine Dienstleistung schuldig. Weder indem ich jemandem verhelfe Eintritt in einen Club zu bekommen, mich mit einem sexuellen Akt bei jemandem bedanke, der mir freiwillig einen Drink ausgibt, noch mich von jemandem anfassen lasse und dankbar für dieses “Kompliment” bin. Eine Freundin und ich zählten vor einem Jahr die verbalen Anmachen und Belästigungen auf dem Fussweg vom Kottbusser Tor zum Schlesischen Tor. Elf mal in 30 Minuten. “Hey ihr Süßen”, “Na, wollt ihr ficken?” “Komm mal her, Kleine” “Zier dich nicht so” “Geiler Arsch”. Hinzu kommen diverse Geräusche und Gestiken. Und dafür sollen wir dankbar sein? Oder uns nicht so anstellen? Einfach nichts machen, hinnehmen, weiter gehen?
Ich toleriere keine Belästigung. Ich rede keine Belästigung schön. Ich bin für keine Belästigung dankbar. Ich verachte belästigende Menschen. Ich verachte Menschen, die Belästigung abschwächen. Ich bin kein Objekt eurer perversen Fantasien. Ich bin eine Frau, die mit Respekt zu behandeln ist. Wir sind Frauen, die mit Respekt zu behandeln sind.
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