U-Bahn Stadtmitte

Nachmittags in der U-Bahn. Ein junger Typ 2 Meter entfernt starrt mich von der Seite an, ich gucke zurück, er macht eine komische zwinkernde Mimik, ich starre ihn unbewegt und ohne ein Lächeln an, wende mich dann ab und beachte ihn nicht mehr – schneuze mir noch schön laut (und betont unsexualisiert) die Nase.

Kurz vor meiner Station “Stadtmitte” bemerke ich, wie er dicht neben mir steht und sich den Fahrplan an der Waggondecke anschaut.
Ich steige aus.
Er beeilt sich, mir hinterher zu kommen, holt auf und murmelt komisches Zeug neben mir. Ich dachte erst, er telefoniert. Irgendwas im leisen Tonfall von “Schatzi, nun bleib doch stehen” oder ähnliches.
Als ich es realisere, dass er mich damit meint, sage ich entnervt und erst leise, dann laut werdend, damit andere es hören:
“Quatsch mich nicht voll! – Ich kenne Dich nicht. – Quatsch mich nicht voll!!”
Dann gehe ich ganz normal weiter.
Er ist nicht mehr neben mir.
Ich höre noch den ganzen Weg zwischen der U2 und der U6 ein Pfeifen, das mir nervig im Ohr klingt, und ich glaube, dass es von ihm ist. Ich drehe mich aber nicht mehr um.
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