Spar dir doch einfach die sexistischen Sprüche

Begegnung auf dem Nachhauseweg.

Abends, in die S-Bahn steigen zwei junge Männer* ein. Neben mir sitzt eine Person, gegenüber noch eine. Die beiden Männer reden und lachen laut, in frecher Berliner Schnauze, und setzen sich neben die ältere Frau gegenüber. Die verzieht ein bisschen das Gesicht, rückt weg, auch wenn da links von ihr gar kein Platz mehr ist. Die beiden sind ihr wohl zu laut. Ich lächle ihr aufmunternd zu (junge Leute sind gar nicht so schlimm), und grinse die beiden Männer an. Eine Bestätigung, dass ich sie wahrnehme.

Wir fahren. Die beiden lachen und reden, die Dame gegenüber zeigt ihre Schulter, ich lese.
Einige Stationen weiter, irgendwo im Geschäker schaue ich rüber. Der Eine: Nää, so is besser jetzt, kein Kämmen und so… Und zu mir: sieht doch viel besser aus so, wa? Er streicht über seine Stoppelfrisur. Ich: Klar, sieht top aus. Schaue in mein Heft und lese weiter. Er: Sag ma, kommste mit heut Abend? Ich schaue noch mal rüber. Mein Blick sagt: Nee, echt, vergiss es. Kommunikation beendet, ich lese weiter. Aber nur mit den Augen.

Er labert, sein Kumpel lacht. Dann wieder er: Hey, never had a ginger.
Ich schaue. Pause. Sag mal, spar dir doch einfach die sexistischen Sprüche.
Er: Ey was, sexistisch, ne, so mein ich das doch nicht. Mein ich voll positiv, so. Ey, ganz ehrlich, ich mag ginger…
Meine Augen lesen weiter.

Als sie endlich das Thema wechseln, dreht sich die Frau* neben mir rüber: Hey, ich kann dich leider gar nicht unterstützen, ich weiß ja nich mal, was das heißt, was der da gesagt hat. Ich, tatsächlich dankbar: Danke, das ist nett. Ist schon ok jetzt.

Später steigen wir gemeinsam aus. Ich bedanke mich noch mal, dass sie was gesagt hat. Sie denkt, die beiden haben es nicht so gemeint. Haben sie nicht, klar. Nur mich auf dem Heimweg von der Arbeit mal eben im Nebensatz zum Sexobjekt degradiert.
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