Geschichte aus Santiago de Chile

Ich mache zur Zeit ein Auslandsjahr in Santiago de Chile. Mit zwei Jungs wohne ich in einer WG im Stadtzentrum. In der Nachbarschaft gibt es einen jungen Mann, der eine leichte geistige Behinderung zu haben scheint (ich weiß es aber nicht sicher, weil er einfach sehr naiv wirkt). Schon beim ersten Mal, das wir uns getroffen haben, machte er Kommentare wie “Mir gefallen die deutschen Frauen.” und “Die deutschen Frauen sind hübsch.”. Obwohl ich oberflächliche Pauschalisierungen generell ablehne, nahm ich es zunächst als Kompliment hin und ignorierte die Aussagen weitestgehend. Jedoch sagt der Mann nun immer, wenn er mich irgendwo sieht, das gleiche: “Die deutschen Mädchen sind hübsch.” und ich fühle mich ziemlich unbehaglich, weil ich auch das Gefühl habe, ihm nicht sagen zu können, dass es mich stört. Vielleicht auch, weil ich wieder mal das Gefühl habe, mich über eine Bagatelle so aufzuregen. Manchmal höre ich, wie er vor dem Haus mit anderen Leuten redet (meist Männer aus der Nachbarschaft oder die Jungs meiner WG) und immer wieder auf mich und mein Aussehen zu sprechen kommt. Und seit es eines nachts an meinem Fenster geklopft hat (ich habe aber nicht hinausgeschaut) habe ich irgendwie auch ein bisschen Angst, dass er sich irgendwann mal Zutritt verschafft (ich kann mein Fenster nicht richtig schließen) oder was Blöderes passiert, wenn ich alleine draußen bin.
Manchmal ist es scheiße, weiblich zu sein…
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