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Regelmäßige Belästigung/Street Harassment, Leopoldstraße München

Wenn ich außer Haus gehe, passiere ich jeden Morgen die Leopoldstraße in München. Unmittelbar dort am Gehweg befindet sich der Eingang zu einer Arztpraxis, die unter anderem auch eine suchttherapeutische Grundversorgung anbietet. In regelmäßigen Abständen sammelt sich dort werktags um 8 Uhr herum eine Gruppe von 5-15 vornehmlich Männern (jeden Alters und Aussehens, oft auch stinkend und verwahrlost) und wartet auf dem Gehweg vermutlich auf den Einlass in die Praxis, da die Tür morgens anscheinend oft verschlossen ist.

An respektvollen Umgang unter gleichwertigen Menschen ist dann nicht zu denken. Sobald ich in Sichtweite komme, werde ich von einigen oben bis unten gemustert und durchweg angestarrt. Darauf folgen dann abschätzige Kommentare, lautes Raunen, wiederholte Kussgeräusche oder unverständliche Nachrufe. Sie genießen es sichtlich, mich als Objekt zu degradieren und schaukeln sich als Gruppe gegenseitig immer weiter hoch. Es geht sogar soweit, dass ich an der Tramstation in einigen hundert Metern Entfernung immer noch mit den Attacken von einigen von Ihnen konfrontiert bin.

Bevor man das jetzt alles Befindlichkeit, hysterische Überreaktion oder bloße Komplimente abtut, möchte ich etwas zu Bedenken geben. Bitte versetzen Sie sich in meine Lage. Ich kann im scheinbar gleichgestellten, zivilisierten Deutschland nicht unbehelligt und ohne Aufsehen meines Weges gehen. Aufgrund der Tatsache, dass ich eine Frau bin und einfach nur bestimmte physiognomische Merkmale aufweise, werde ich in der Öffentlichkeit geringwertig behandelt. Jeden Morgen muss ich in Kauf nehmen, von einer Gruppe Männer wie ein Stück Fleisch begutachtet zu werden, um mich dann Verbal und durch Gestik erniedrigen zu lassen. Keine der Reaktionen kann man mit einem Kompliment (eine wohlwollende, freundliche Äußerung) vergleichen. Ich kenne sehr wohl – wie jeder Mensch – den Unterschied, und dies ist einfach nur ein respektloser, sexualisierter Angriff auf meine Person als Frau, der mich als bloßes Objekt zur Belustigung oder Befriedigung reduziert, dazu noch unnötig ist und meinen Alltag beeinträchtigt. Ich möchte wie jeder andere Mensch ohne Einschränkung öffentlichen Raum nutzen, das ist das Recht aller.

Da ich rein körperlich der Gruppe unterlegen bin und auch sonst nichts gegen sie ausrichten kann, bleibt mir keine andere Lösung, als meine Geschichte hier mit euch zu teilen, diesen Ort in Zukunft zu meiden und jeden Tag einen Umweg zu nehmen. Und das im Jahre 2016 in München, der „Weltstadt mit Herz“, in einem fortschrittlichen Land, wo Gleichberechtigung zumindest auf dem Papier gegeben ist.

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Treptower Park

Als ich mich heute im Treptower Park etwas abseits der übervollen Wiesen oben ohne sonnte, sprach mich von hinten eine Frau mit Hund an. Sie war ganz aufgewühlt und informierte mich darüber, dass hinter mir im Gebüsch ein Typ in Unterhose hocke, mit Blick in meine Richtung. Da ich dort aber auf die Schnelle niemanden entdecken konnte, nahm ich das Ganze zunächst recht gelassen hin, meinte noch halb scherzhaft „Na, solange er nur guckt…“ und dankte ihr, dass sie mir Bescheid gegeben hat. Als sie gegangen war, versuchte ich mich wieder in mein Buch zu vertiefen, aber irgendwie ging das nicht mehr. Dann kochte plötzich Wut in mir hoch, ich sprang auf, warf mir mit wenigen Handgriffen mein Kleid über und wollte ins Dickicht stürmen, um nachzusehen was oder wer da ist. Aber noch während ich mich anzog, entdeckte ich den Typen, wie er sich da gerade volle Kanne einen runterholte und ich schrie ihn an, ob das jetzt toll ist oder was. Er starrte mich nur aus leeren Augen an und machte weiter. Da bin ich ausgerastet, habe – während ich in Windeseile meine Sachen packte – geflucht und geschrien, dass das ja wohl oberekelhaft sei, das Allerletzte, und dass ich jetzt die Polizei rufe. Da hat er sich verdrückt und ich stand da mit meinem Telefon in der Hand und hatte schon die Tastensperre gelöst und dann war mir das aber doch irgendwie zu doof, deswegen jetzt extra die Polizei zu verständigen. Bin dann einfach auf mein Fahrrad gestiegen und weggefahren, um mir einen anderen Platz zu suchen. Auf dem Weg hab ich dann aber vorsichtshalber noch einer anderen Frau, die sich drei Baumecken weiter ebenfalls im Bikini sonnte, erzählt, was mir gerade passiert ist und dass sie aufpassen soll. Dann wollte ich da einfach nur noch weg.

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Wi**er im Park

Ich saß ganz ruhig an eine etwas versteckte Stelle direkt am Karpfenteich im Treptower Park alleine. Nach eine Weile bin ich aufgestanden und wollte wieder zum Hauptweg gehen, und plötzlich, 3m von mir entfernt, steht da neben ein Baum ein großer nackter mann der stehend an sein Schwanz greift. Er befriedigt sich direkt vor mir und sagt dann, „VIELLEICHT INTERESSE?“

Ich schreie und schimpfe. Ich habe versucht schnell wegzugehen. Dann sagt er noch was, was ich nicht verstanden habe, und fält mir ein: Ich muss was machen! Ich hole schnell mein Handy raus und laufe kurz zurück, um ihn zu fotografieren. Er beschwert sich wenn er mein Handy sieht und versteckt sich. Ich schreie ihm nochmal an und fahre mit mein Fahrrad ganz weit weg.

Ich lege mich in der großen Wiese hin, wo viele Menschen auch liegen um nicht alleine zu sein und weine voller Wut. Ich frage mich was passiert wäre, wenn ich ihn zurück angegriffen hätte, ob damit mein Frustrationsgefühl weniger präsent wäre.

Was hättet ihr gemacht?

Anm der Redaktion: wir mussten das Foto aus Sicherheitsgründen entfernen. 

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DIGGER, GEHT’S NOCH!?!?

Gestern vormittag.
Ich war ziemlich fertig, sprich: man hat mir angesehen, dass ich geheult habe, da ich mich gerade mit einer Depression herumschlagen muss.
Ich war auf dem Weg nach Hause, Tram fuhr nicht, also musste ich einen anderen Weg, in diesem Falle die S-Bahn nehmen. Ich gehe also durch die Unterführung im S-Bahnhof Karlshorst und suche nach einem Schild, welches Gleis das richtige ist, da ich den Bahnhof nicht kenne.

Da kommen mir zwei prollige Typen entgegen.
Als sie sich auf meiner Höhe befinden, kommt von der Seite ein „Ach Mäuschen…“
Ich ignoriere es und gehe weiter.
Als sie ein paar Meter hinter mir sind, höre ich ein lautes „DU BIST HIER SCHON RICHTIG, SCHLAMPE!!“.

Ich weiß nicht, woher ich in dem Moment den Mut genommen habe, aber nach einer kurzen Schrecksekunde habe ich mich umgedreht und noch lauter zurückgebrüllt: „DIGGER, GEHT’S NOCH!?!?“ und den beiden einen erhobenen Mittelfinger entgegengestreckt. Durch die naturgemäße Akustik der Unterführung war das ganze auch ganz schön schallend und laut.

Ich war ein bisschen stolz auf mich, bin die Treppen zum Gleis aber dann doch auch etwas schneller hochgegangen, aus Angst sie könnten zurückkommen

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Hollaback im Zug!

25. Dezember 2015, ich fahre mit meiner Mutter zusammen von Frankfurt am Main zurück nach Berlin. Der Zug ist überfüllt, mehrere Waggons fehlen aus irgendwelchen technischen Gründen, Reservierungen haben keine Gültigkeit mehr, wir setzen uns einfach irgendwo hin, froh überhaupt einen Platz zu bekommen. Meine Mutter sitzt schräg hinter mir in einem Vierer, ich sitze neben einem jungen Typen, Ende 20, Anfang 30, nervös. Er ist mir erstmal sympathisch; volltätowiert, rotzige Klamotten, laute Musik- okay die nächsten fünf Stunden neben ihm sitzen zu müssen. Ich fange an zu lesen. Er rutscht die ganze Zeit wahnsinnig unruhig auf seinem Sitz herum, ich muss ihn immer wieder rauslassen- ich hab Mitleid; Magen-Darm-Geschichte im Zug? Armer Kerl. Irgendwann nimmt er Kontakt auf; „Wie kann man nur fünf Stunden ruhig sitzen?“, ich zucke mit den Schultern. Er fängt an, sich Bilder auf seinem Handy anzuschauen. Er hält den Bildschirm irgendwie seltsam, genau so dass ich draufschauen muss. Ich erkenne nicht viel und bekomme schon ein schlechtes Gewissen- man schaut ja nicht einfach auf fremde Handys..er steht noch zig-mal auf und kommt wieder, fragt ob er mir die Zeitschrift halten soll- langsam wird er mir schräg. Weiterlesen, egal. Irgendwann tippt er mich an und zeigt mir seinen Bildschirm, diesmal eindeutig mit Absicht- sein erigierter Penis in Volltotale. Ich schaue ihn schockiert an und weiß nicht was ich tun soll. Er zuckt nur mit den Schultern und zeigt ein Gesicht, das er vermutlich süß findet. Ich bleibe sitzen und bin verwirrt- jetzt bin ich die Unruhige. Ich fange an Freunden per Nachricht zu schildern was gerade passiert ist. Alle bestätigen mir, sexuelle Belästigung! Tu was! Sie wissen, dass ich solche Vorfälle zur Zeit wie magisch anziehe. Ich stehe auf, nervös, gehe auf Toilette, komme wieder, hänge die ganze Zeit am Handy und bemerke wie wütend mich das macht. Was denkt der, wer er ist? Ich bekomme Gewaltfantasien. Ich will seinen blöden Iro packen und seinen Kopf gegens Fenster knallen. Mir wird heiß, ich muss irgendwie reagieren. Ich stehe auf, gehe zur Schaffnerin und erzähle ihr, was gerade passiert ist. Sie schickt mich zum Zugchef. In Hildesheim fliegt der Typ aus dem Zug. „Boah, wegen ‘nem Foto?!“ fragt er mich noch, als sei ich einfach nur zu zugeknöpft. Nachdem er draußen ist und sich meine Mutter neben mich gesetzt hat, ganz entsetzt über den Vorfall, spricht mich eine junge Frau an und bedankt sich bei mir. Ihr ist mit ihm das Gleiche passiert- sie hat sich weggesetzt, sich nicht getraut und die ganze Fahrt über Angst gehabt, er würde mit ihr aussteigen.
Ich bin sicher, er wollte auch nach Berlin. Ich habe Angst, ihn irgendwann wiederzusehen. Er macht mich so sauer!

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Hannover

Ich war mit einem Freund auf einer Party am Maschseefest. Mit der Zeit kamen immer mehr junge Männer. Irgendwann hab ich nur noch Männer gesehen. Es war schon merkwürdig, aber hat mich nicht weiter gestört. Auf dieser Party haben mir vier Männer an meinen Po gefasst. Als ich mich umdrehte, sah ich in grinsende Gesichter. Ich war wie gelähmt. Ich fühlte mich erniedrigt und war wütend auf mich, dass ich nicht in der Lage war , zu reagieren. Ich ging weinend davon und ärgere mich noch heute über diese Männer und mich selbst.

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Kottbuser Tor

Früh um 7 in der U1 am Kotti: Ein junges Paar, das offensichtlich gerade aus dem Club kommt macht sich lautstark über einen Kumpel lustig. Der hätte erst nicht gecheckt das seine Angebetete ein „Mann“ sei. Als er es rausgefunden hat sei es abgegangen (was immer das heißt). Die beiden fanden es zum schießen.
Ich bin eine Transfrau und saß Ihnen gegenüber. Ich habe nichts dazu gesagt.

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TW Konsens

Gestern war ich zu Besuch bei einem alten Arbeitskollegen von mir, den ich immer sehr mochte freundschaftlich und als Mensch auch vorher als lieb und rücksichtsvoll eingeschätzt habe. Zuerst unterhielten wir uns und hörten Musik, tranken dabei Wein. Irgendwann, je später es wurde merkte ich schon wie er immer näher zu mir rutschte. Was mir schon etwas unangenehm war, deswegen rutschte ich auf dem Sofa auch weitwr weg und versuchte durch Körpersprache zu zeigen dass ich das nicht will. Ich hab sogar irgendwann auf youtube das „Tea consent“ Video angemacht um ihn zu zeigen wie wichtig Konsens ist. Schien ihn nicht weiter zu stören. Irgendwann fingen dann ätzende Fragen an wie zum Beispiel: „Hattest du nach XY eigentlich noch eine Beziehung?“ „Wie läuft dein Sexleben so?“ „Masturbierst du?“ – als es mir irgendwann zu doof wurde kam dann noch die Krönung, er hielt meinen Kopf auf einmal in den Händen, drehte ihn zu sich und versuchte mich zu küssen. Ich stieß ihn weg und meinte dass ich das nicht will! Dummerweise war ich schon ein bisschen angetrunken, das kommt noch dazu. Er meinte daraufhin dass es ja nur ums Küssen ginge, er absolut nicht mit mir schlafen will. Und ob er denn mal – nur mal kurz – meine Brüste sehen darf. Ich verneinte schon wieder. Jetzt im Nachhinein frage ich mich warum ich da nicht schon direkt abgehauen bin. Es war aber wie gesagt mitten in der Nacht, ich hatte ein bisschen zu viel Wein getrunken und empfand es in den Momenten eher wie eine ‚lästige Fliege‘ der man einfach nur alles verneinen muss ständig. Ich bin dann irgendwann eingeschlafen. Als ich aufgewacht bin ein paar Stunden später war seine Hand am grabschen an meinen Brüsten und die Erektion drückte sich an meinen Hintern. Ich – noch total schlaftrunken – kippte mir erstmal Wasser ins Gesicht, versuchte mich zu beruhigen (dieses Verhalten von ihm triggerte mich ziemlich) und hab überlegt wie ich ihm klarmachen kann dass er gerade sexualisierte Gewalt ausübt und ich mich verdammt unwohl fühle. Bis dato war er mir als Mensch ja auch noch wichtig und ich habe natürlich immer Ausreden gesucht. ‚Er ist bestimmt nur notgeil‘ – ‚das meint er nicht so‘ etc etc. Die Tatsache dass ich lesbisch bin hat er auch komplett wegignoriert so am Rande. Am allerschlimmsten an der ganzen Sache ist dass mir die ganze Scheiße immernoch im Kopf präsent ist und dass er manipulatives Verhalten an den Tag gelegt hat. Er hat es geschafft dass ich mir teilweise dachte ich stelle mich ja nur an und das meine Empfindungen und Gefühle an der ganzen Sache keinen Wert haben. Zum Kotzen!

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